Design for Health

Design for Health

zum Hintergrund des Forschungsschwerpunktes

Design für Gesundheit und Wohlbefinden. Zwischen der Gestaltung und der Gesundheit lassen sich zahlreiche Schnittstellen identifizieren. Klassischerweise befasst sich das Industriedesign auf diesem Gebiet in besonderem Maße mit Aspekten der Ergonomie, der konzeptionellen Optimierung von Systemen und der formal-ästhetischen Gestaltung. Designforschung bedeutet hierbei innovative Lösungsansätze und Prozesse methodisch strukturiert und argumentativ belastbar zu untersuchen.

Ebenso relevant ist auch die Erlebnisebene des Entwurfsgegenstandes. Die zunehmende Bedeutung der Patient Experience sowie nutzerzentrierte Methodiken, die die multisensuelle Wahrnehmung und das Erleben von medizinischem Personal, Betroffenen und Angehörigen berücksichtigt, ist hierbei sowohl aus praktischer wie auch forscherischer Perspektive von großer Relevanz.

Dabei unterstützen Paradigmen wie das psychosocially supportive Design und das salutogenic Design als konzeptionelle Impulsgeber. Ein empiriegestützter Ansatz im Sinne des Evidence-based Design lässt sich für den medizinischen und therapeutischen Kontext nicht ersetzen. An der Schnittstelle zwischen Gesundheitsförderung und Gestaltung sind vor diesem Hintergrund empirische Forschungsmethoden eine wertvolle Erkenntnisquelle, um konzeptionelle Ziele auf unterschiedlichen Handlungsebenen zu erschließen und Entwürfe zu evaluieren.

Der Aspekt der Gesundheit beschränkt sich dabei nicht alleine auf den institutionellen Rahmen des medizinischen Versorgungssystems, sondern umfasst zunehmend den domestischen und öffentlichen Raum. Gestaltungsansätze zur Steigerung der körperlichen Aktivität, Sozialität und individuellen Teilhabe sind nur einige Themen, mit denen Sicht das Forschungsfeld „Health“ befasst.

→ Handlungsfelder

Public Health und Design

Public Health als Standbein des öffentlichen Gesundheitssystems stellt einen zunehmend relevanten Aspekt in der gesundheitsfördernden Gestaltung dar. Während sich Design unter Schlagworten wie dem "medical design" bislang häufig mit der Gestaltung von medizintechnischen Produkten und Systemen beschäftigt hat, zeigen aktuelle Entwicklungen der Designforschung das vielseitige Potential der Gestaltung auch für Themen wie die Prävention und des Gesundheitsverhalten auf. Nicht zuletzt die Verzahnung von klassischen Public Health Paradigmen wie der Salutogenese durch Designansätze wie dem "salutogenic Design" oder dem "psychosocially supportive Design" wird dieser Bezug sichtbar.

Etablierte Paradigmen des Designs konzentrieren sich a priori auf die Bedürfnisse der NutzerInnen (u.a. Human- centered Design approach, z.B. Stouffer, 2000). Design als Praxis des Entwerfens ist demnach methodisch als strategischer Vermittler zu betrachten, der durch inter- und transdisziplinäre Prozesse kollektive Lösungen anstrebt. Der Trend des Design Thinkings spiegelt diesen Prozess der Einbindung von AuftrageberInnen und NutzerInnen methodisch wider.

Bezogen auf den Nutzen für die Arbeit des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und das Feld der Public Health im Allgemeinen stellen daher Designmethoden und entsprechende Prozesse ein geeignetes Vehikel dar, um eine Kooperation unterschiedlicher Stakeholder “auf Augenhöhe” zu ermöglichen. Dies gilt insbesondere für die Prinzipien der Co-Creation und des partizipativen Designs. Co-Creation beschreibt einen Prozess, bei dem alle Beteiligten gemeinsam eine Lösung erarbeiten. NutzerInnen sind demnach nicht Forschungsgegenstand oder Interview-Partner, sondern in erster Linie EntwerferInnen

Design for Mental Health

Die gebaute Umwelt kann sich in vielfältiger Weise auf psychische Prozesse auswirken. Dabei können gestalterische Maßnahmen konkret Stress reduzieren, soziale Interaktionen fördern und einen positiven Einfluss auf emotionale und kognitive Prozesse haben.

Die Forschungsarbeit im Bereich Design for Mental Health bezieht sich dabei sowohl auf präventive wie auch therapeutische Kontexte und untersucht, inwiefern Design sowohl als Methode (z.B. im Rahmen von Co-Creation Prozessen) als auch in Bezug auf das Gestaltete einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit nehmen kann.

 

Aktuelle Publikationen zu diesem Feld sind:

Rehn, J.; Chrysikou, E. (2020): Developing concepts for early mental health prevention and treatment using the built environment. In: European Journal of Public Health 30 (Supplement_5). DOI: 10.1093/eurpub/ckaa165.977.

Chrysikou, E.; Rehn, J.; Savvopoulou, E.; Petelos, E. (2020): Ecopsychosocial environments for health and mental health. In: European Journal of Public Health 30 (Supplement_5). DOI: 10.1093/eurpub/ckaa165.974.

Kontakt

Dr. Jonas Rehn

Koordinator

Design for Health

E-Mail

→ Personendetails

Aktuelle Publikationen

Rehn, Jonas (2020): System Innovations in Design for Aging. A Research-Driven Multi-Stakeholder Framework for Transforming Health Systems. In: International Academic Forum (Hg.): The European Conference on Aging & Gerontology 2019. Official Conference Proceedings. EGen 2019. University College London, 08.12.2019. Naka Ward, Nagoya, Aichi, Japan, S. 13-20.

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Rehn, Jonas (2018): Design model for health behaviour change. In: Christer Kirsty, Claire Craig und Dan Wolstenholme (Hg.): Proceedings of the 5th European International Conference on Design4Health. Sheffield, UK, 4th – 6th September 2018: Sheffield Hallam University

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