Design und Nachhaltige Entwicklung

Es ist weithin anerkannt, dass die verschwenderische Ausbeutung der Ressourcen der Welt ihren Tribut an die Umwelt fordert, aber es wird weniger geschätzt, dass die Menge und die Art unseres Verbrauchs das Wirtschaftswachstum erstickt. Gleichzeitig hat die industrielle Entwicklung einen Punkt erreicht, der die Lebensgrundlage auch der Menschen bedroht. Um dieser Spirale Einhalt zu bieten, sind Lösungen gefragt. Aus dieser Situation heraus wurden Anfang 2016 die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen (UN) als Ziele für 2030 gesetzt. Diese beschreiben 17 politische Zielsetzungen, die weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen.

Sowohl die nachhaltige Entwicklung als auch ein ressourcenschonender Umgang mit den Rohstoffen ist schon seit geraumer Zeit ein wichtiger Aspekt des Designs.

Die Begriffe „EcoDesign“, „Design for Sustainability (DfS)“ und „Nachhaltiges Design“ stehen für ein gemeinsames Handlungsfeld, das darauf ausgerichtet ist, alle Formen des schonenden Ressourceneinsatzes  entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu berücksichtigen. Erweitert man dieses Handlungsfeld auf sämtliche umfängliche Aspekte der Wertschöpfungsketten, so gelangt man z.B. zum Ansatz der  Circular Economy.

Das Circular Economy Modell beschreibt einen mehrstufigen Kreislauf, der zwischen biologischem und technischem Ressourcenkreislauf unterscheidet und die Bereiche Rohstoffe, Design, Herstellung und Wiederaufbereitung, Vertrieb, Reparatur, Sammlung, Recycling und Rückführung als Rohstoff oder Restabfall beschreibt.

Der bisherige lineare Prozess „Take, Make and Dispose“ müssen wir stoppen. ist vorüber. Unser Ziel muss es sein, dass die Prozesse sind heute nicht mehr linear sind – die Circular Economy beginnt sich zu drehen und es sind enorme Anstrengungen erforderlich, wenn wir das Wirtschaftswachstum von der zunehmenden Nutzung der natürlichen Ressourcen abkoppeln wollen.

Aus dieser Motivation heraus entwickeln Unternehmen gemeinsam mit Designern neue Geschäftsmodelle und setzen neue Technologien und Services ein, um einen schonenderen Umgang mit den Ressourcen, Vermögenswerten und Produkten zu ermöglichen – und finden somit neue Wege einer Wertschöpfung, die bisher noch nicht genutzt wurden. Design hat daher heute eine gesellschaftliche Relevanz wie nie zuvor – und muss somit sehr weit über den Tellerrand der schönen Form schauen.

In diesem Sinne beschreibt Design nicht nur die Entwicklung einzelner losgelöster Produkte, sondern sollte sich immer auf die damit verbundenen Systeme, Dienstleistungen und Strukturen beziehen. So können beispielsweise neue Ansätze in Bereich wie Product-Service-Systems und Service-Design innovative Lösungen darstellen.

Im Rahmen unserer Forschungsvorhaben untersuchen wir seit vielen Jahren diese Aspekte und sind überzeugt, dass eine konsequente Umsetzung des Circular Economy Ansatzes ein idealer Beitrag für den Erhalt unseres Lebensraums ist. Das Forschungsprojekt „Darmstädter Weg“ befasste sich etwa mit der Entwicklung eines Pfandbechersystems für Darmstadt unter Einbeziehung zahlreicher Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Allerdings beschränkt sich unsere Arbeit jedoch nicht allein für das Konzept einer Kreislaufwirtschaft, sondern zielt darauf ab, die von der UN entwickelten Ziele für Nachhaltige Entwicklung in ihrer Gesamtheit zu berücksichtigen. Daraus ergeben sich Schnittstellen zu zahlreichen weiteren Forschungsbemühungen des Instituts wie etwa Fragen der Gesundheitsförderung, der Geschlechtergerechtigkeit, oder neuartiger Technologien.

Forschungsprojekt mit unmittelbarem Umweltbezug sind dabei unter anderem in Zusammenarbeit mit dem hochschulweiten forschungsbasierten Transferprojekt „Systeminnovation für Nachhaltige Entwicklung (s:ne)“ zu finden. So unterstützt das Institut für Designforschung mit Hilfe designforscherischer Methoden die Arbeiten im Zusammenhang mit einer nachhaltigeren Lederlieferkette und weitergedachten Logistik- und Konsumangeboten.

Projekte des Forschungsschwerpunktes

Darmstädter Weg

Mehrwegbecher-Systems für Darmstadt

In einer Ringvorlesung der Initative: Nachhaltige Enwickling (i:ne) entstand die Vision eines Mehrwegbecher-Systems für Darmstadt. In diesem Sinne beschäftigte sich die Forschung nicht ausschließlich mit der Materialität und dem Herstellungsprozess des Bechers, sondern auch mit allen anhängigen Prozessen wie Transport, Spülgang und Entsorgung. Der Prototyp des Bechers wurde im Zuge der Europäischen Woche der Abfallvermeidung bei einer Pressemitteilung im November 2018 vorgestellt und stieß auf durchweg positive Resonanz. In der nahen Zukunft wird das IDF unmittelbar an der Gründung einer Gesellschaft beteiligt sein, welche die Markteinführung des Bechers und des Pfandsystems realisieren wird.

Nachhaltigere Chemie in den globalen Lederlieferketten

Teilvorhaben im Forschungsprojekt "Systeminnovation für Nachhaltige Entwicklung (s:ne)

Das Institut für Designforschung beteiligt sich aus einer designwissenschaftlichen Perspektive am transdisziplinären Transfer- und Forschungsprojekt Systeminnovation für Nachhaltige Entwicklung (s:ne). Im Teilvorhaben 8 werden dazu die globalen Lederlieferketten analysiert und im Hinblick auf den Einsatz bedenklicher Chemikalien Ansatzpunkte einer Systeminnovation gesucht.

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Prof. Tom Philipps
Studiengangleiter Industrie-Design
Fachbereich Gestaltung
Tel: +49 (0)6151.163 83 62
Fax +49 (0)6151.163 89 40
tom.philipps@h-da.de

Dr. Jonas Rehn
Fachbereich Gestaltung
Tel: +49 (0)6151.16 302 58 
jonas.rehn@h-da.de